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Jan 12

Verbrauchsangaben der Autohersteller realitätsfern

Der angegebene Verbrauch der Autohersteller für ihre Fahrzeuge weicht oft erheblich vom wirklichen Spritverbrauch ab. Das liegt zwar auch an der Fahrweise der Autofahrer, aber zum großen Teil am Testverfahren selbst. Der neue Weltzyklus zur Ermittlung von Verbrauchswerten verspricht dabei allerdings keine Abhilfe.

Aktuell testen die Hersteller von Automobilen die Verbrauchswerte ihrer Fahrzeuge mit dem sogenannten Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ). Der im Labor von unabhängigen Testinstituten wie dem TÜV durchgeführte Test gibt dabei die Rahmenbedingungen genau vor. So muss die Temperatur im luftdicht verschlossenen Raum exakt 22 Grad Celsius betragen. Der Testfahrer muss sich exakt an Geschwindigkeiten und Beschleunigungen halten. Die zu fahrende Strecke beinhaltet zwar sowohl Stadtverkehr, als auch Überlandfahrten, jedoch muss niemals abrupt gebremst werden und die gefahrene Geschwindigkeit liegt nicht über 120 km/h. Die so ermittelten Werte dienen aber bestenfalls dem Vergleich von verschiedenen Modellen der gleichen Fahrzeugklasse untereinander, als Richtwert für den tatsächlichen Verbrauch sind sie nicht zu gebrauchen.

Alle diese Vorgaben führen dazu, dass die erzielten Testergebnisse stark von den realen Verbrauchswerten der Fahrzeuge abweichen. Insbesondere kleinere Motoren werden begünstigt, da diese nicht in den für sie ungünstigen Geschwindigkeitsbereich kommen, wie er auf deutschen Autobahnen Alltag ist. Vergleichstests unter realistischeren Bedingungen haben bei manchen Modellen Abweichungen von über 30 Prozent zur Herstellerangabe festgestellt. Das kann auch rechtliche Konsequenzen haben, denn Gerichte haben bereits bei Abweichungen von über 10 Prozent dem Käufer eines Neuwagens ein Rückgaberecht eingeräumt, wenn der Mehrverbrauch nachgewiesen werden kann.

Nun soll statt des Europäischen Fahrzyklus der Weltzyklus als Verbrauchstest herangezogen werden. Bei den Verbraucherzentralen regte sich hierdurch zunächst die Hoffnung, die Werte könnten sich nun dem wirklichen Verbrauch annähern lassen. Autohersteller wollen dies aber gar nicht, da sie glauben, plötzlich ansteigende Verbrauchswerte durch einen neuen Test, könnten die Käufer von Neuwagen verunsichern. 2017 soll das neue Testverfahren den NEFZ ersetzen. Es werden höhere Geschwindigkeiten gefahren und auch die Gewichtung zwischen Stadt, Land und Autobahn soll anders ausfallen. An den Rahmenbedingungen wollen die Autohersteller jedoch noch drehen, damit die Erhöhung nicht allzu stark ausfällt. Schnee, kurvenreiche Strecken oder abruptes Bremsen an Ampeln und Überholmanöver wird es deshalb wohl auch weiterhin beim Verbrauchstest nicht geben.

 


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